Der Fürst macht Fenchel: Zu Gast bei Alexander zu Schaumburg-Lippe

Kaiserwetter! Schloss Bückeburg zeigt sich von seiner schönsten Seite. Das wird ein wirklich besonderer Tag: Wir treffen Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe. Ganz privat. In seiner Küche. Eigentlich haben wir uns zum Kochen verabredet. Am Ende verbringen wir einen halben Tag in seiner Welt. Mit Schlossführung und Wohnzimmer-Konzert.

Wir sind früh dran. Fürst Alexander hat noch zu tun. Fotograf Nikolaj Georgiew nutzt die Zeit und lässt seine Kamera-Drohne aufsteigen. Umkreist das Schloss und den wunderschönen Park.

Zu Gast bei Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe Foto Nikolaj Georgiew / www.myotherstories.de

Foto: Nikolaj Georgiew

Als erste begrüßt uns Bellini. Die schwarze Labrador-Hündin kommt wedelnd auf uns zu. Lässt sich kurz kraulen und läuft dann zurück in den Seitenflügel. Hier lebt der Fürst.

Zu Gast bei Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe Foto Nikolaj Georgiew / www.myotherstories.de

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Seine Assistentin begleitet uns in die Wohnung. Über eine mächtige Treppe mit dickem Teppich und einen endlos langen Flur kommen wir in die Küche.

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Foto: Nikolaj Georgiew

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Die ist nicht besonders groß. Aber der Blick aus dem Fenster einmalig: Auf den Schlossgraben mit Enten und Schwänen und die dahinter liegenden Stallungen. In der Mitte des Raumes steht ein massiver Arbeitsblock mit schwerer, schwarzer Steinplatte. Darauf liegen schon unsere Zutaten: buntes Gemüse, frisches Obst und duftende Kräuter.

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Foto: Nikolaj Georgiew

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Dann kommt der Fürst. Bellini ist begeistert. Wir auch. Weil es nicht oft vorkommt, dass Alexander selbst in der Küche steht. Sein Terminkalender ist einfach zu voll. Und er viel unterwegs. „Essen hat für mich auch etwas mit Neugier zu tun“, sagt Fürst Alexander. „Wenn ich andere Länder bereise, dann interessiert mich ganz wesentlich, wie dort gekocht wird. Und ich bin da auch nicht feige. Wenn Gerichte angeboten werden, die ungewöhnlich sind – wo Europäer vielleicht eher die Nase rümpfen – ich probier’s garantiert! Wenn die das essen können, dann kann ich das auch.“

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Alexander schnappt sich ein riesiges Messer und zerteilt die erste Zucchini. Wir machen gebackenes Fenchel-Gemüse mit Knoblauch, Kräutern und Zitronen-Dip. Auch wenn es im Hause Schaumburg-Lippe eher selten rein vegetarisch zugeht. „Scharf gebratenes Gemüse mit Knoblauch allerdings mag ich schon gerne.“

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Gemeinsam putzen wir Fenchel, Paprika, Zwiebeln und Knoblauch. Fürst Alexander verteilt das geschnittene Gemüse auf dem Backblech.

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„Was ist denn Ihr Lieblingsgericht?“, möchte ich wissen.„Ich schätze absolut die französische und die italienische Küche – aber ich finde, dass auch die englische Küche sehr unterschätzt ist. Wenn man die mal näher kennen lernt, kann man durchaus Spannendes erleben: wundervolles Geflügel, ausgezeichnete Pies, hochinteressante Suppen. Das ist schon eine feine Sache, wenn klassisch englisch gekocht wird. Das ist interessant, aber auch ziemlich reichhaltig.“

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Ich gebe einen Schuss Olivenöl über das Fenchel-Gemüse. „Welche Rolle spielte denn das Kochen in Ihrer Familie?“ Alexander vermengt alles mit seinen Händen. „Also mein Vater hat überhaupt nicht gekocht. Meine Mutter konnte es, tat es aber nicht sehr gerne. Ich hab mich als Kind daran versucht. Kam allerdings nicht sehr weit… Meine Töchter dagegen haben von frühester Kindheit an kochen gelernt. Von ihrer Mutter. Sie sind jetzt 5 und 8 Jahre alt und können zum Beispiel Spätzle selber machen. Das finde ich richtig gut!“

Schnell noch den Dip anrühren. Alexander hackt frische Kräuter, presst Knoblauch und entsaftet eine kleine Zitrone.

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Und schiebt dann das Gemüse in den Ofen.

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Während das Essen vor sich hin schmort, unterhalten wir uns im Wohnzimmer. Der Fürst wohnt auf 600 Quadratmetern. Das gesamte Schloss hat 250 Zimmer. Viele Räume sind vermietet. Denn allein die Unterhaltung des historischen Gemäuers verschlingt Unsummen, sagt der Hausherr: „Wenn wir nicht Veranstaltungen wie unsere Landpartie und den Weihnachtsmarkt hier hätten, zu denen mehr als 100.000 Menschen kommen, wäre der Erhalt des Hauses in dieser Form nicht möglich. Das muss man ganz klar sagen.“

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Foto: Nikolaj Georgiew

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„Das Schloss ist wirklich wunderschön. Und man kann es das ganze Jahr besichtigen?“

„Ja, abgesehen von einigen wenigen Tagen. Wir sind hier der älteste Führungsbetrieb in Niedersachsen – seit 1918!“

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Alexander zu Schaumburg-Lippe arbeitet aber nicht nur, um das Schloss zu erhalten. Er verwaltet auch den Landbesitz und die Forstbetriebe. Und engagiert sich für soziale Projekte. Gerade war er wieder in Sri Lanka. Als Schirmherr der Hamelner Hilfsorganisation Interhelp. Seit der Tsunami-Katastrophe 2005 kümmert sich der gemeinnützige Verein unter anderem um medizinische Versorgung, Wiederaufbau und Wohnprojekte.

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„Als Sie jetzt dort waren, haben Sie aber auch Brillen verteilt…“
„Ja – auch das ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Tätigkeit. Wir sammeln hier Spendenbrillen und verteilen sie an Bedürftige. Meistens sind das ältere Menschen, die Lesebrillen brauchen. In vielen Fällen ist es aber auch so, dass die Menschen ohne Brille ihren Job verlieren würden – etwa eine Näherin, die den Faden nicht mehr in die Nadel bekommt. Die kann sich bei der schlechten Bezahlung einfach keine Brille leisten. Dann kommen wir und passen ihr eine an.“

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Im Wohnzimmer steht ein großer, schwarzer Flügel. Der Fürst ist begeisterter Pianist. Spielte schon mit namhaften Künstlern aus Klassik und Jazz. „Also mit Till Brönner durfte ich einmal spielen. Das war eine große Ehre. Auch mit Torsten de Winkel, Hellmut Hattler und Erik Berchot. Ich spiel natürlich nicht wie diese Leute. Aber dass ich da überhaupt mal mitmachen darf, das ist schon ne tolle Sache. Für ein Leben als Profimusiker wird’s nicht reichen, aber immerhin: Die nehmen mich ernst. Und es macht mir sehr viel Freunde. Das ist wirklich Leidenschaft!“

Und dann gibt uns Fürst Alexander ein kleines Privat-Konzert. Improvisiert drauflos. Ein ganz besonderer Moment. Warme, weiche Töne in dieser einzigartigen Umgebung.

Schade, dass gerade jetzt der Ofen piept…

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Das Fenchel-Gemüse ist fertig.

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Wir setzen uns an den alten, runden Holztisch im Esszimmer. Der Duft von gebackenem Rosmarin und Knoblauch zieht durch die fürstlichen Gemächer.

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Foto: Nikolaj Georgiew

Das Gericht schmeckt einfach köstlich. Was für ein schöner Abschluss dieses besonderen Tages.

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Foto: Nikolaj Georgiew

Fürst Alexander begleitet uns noch in den Innenhof. Wir verabschieden uns herzlich. Dann übernimmt Bellini. Die sich freut, ihr Herrchen endlich wieder für sich zu haben…

Fotografie: Nikolaj Georgiew

Bericht: Bettina Bergwelt

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