Der Schwarm des Imkers – von Bienen, Honig und Eierlikör

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Der Garten ist riesig. Voller bunter Blumen. Hier wird nicht gemäht. Und schon gar nichts gespritzt. Denn hier leben fast eine Million Bienen. Und zwei Menschen, die sich um sie kümmern: Imker Christian Eggers und seine Frau Nevena. Die Bienen sind der Schwarm ihres Lebens. So steht es auf dem Schild an der Tür ihres schicken Holzhauses. Und wer dahinter schauen darf, bemerkt das auch sofort.

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Fotos: Maike Helbig

Hochsommer in Hildesheim. Die Sonne brennt vom Himmel. Es ist extrem heiß. Fotografin Maike und ich stehen auf der Terrasse und sind erstmal erstaunt: Über diesen urwüchsigen Garten. Aus dem es überall summt. Mal lauter, mal leiser.

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Fotos: Maike Helbig

Die Bienen bei der Arbeit. „Wir beobachten sie jeden Tag“, erzählt Christian Eggers. „Anhand der Art, wie sie fliegen, erkennt man zum Beispiel, wie viel Tracht draußen ist.“ Tracht, das sind Nektar, Pollen und Honigtau, den die Bienen einsammeln.

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Fotos: Maike Helbig

„Ein Imker muss ganz viel von außen beobachten, weil er ja nicht ständig in diese Kisten reingucken kann. Er muss lernen, von außen die Zeichen zu lesen und zu verstehen, was dort drin bei den Bienen passiert und wie es ihnen geht.“

Diese Kisten stehen überall. Eine für jedes Volk. Das sind etwa 50.000 Tiere. In einer Art Mehr-Generationen-Haus. „Eine Biene lebt im Sommer ja nur 6 Wochen. Weil sie so hart arbeitet“, erklärt der Imker. „Sommerbienen müssen die Voraussetzungen schaffen, dass genug Vorräte da sind für den Winter. Und die Winterbienen, die dann im August, September zur Welt kommen, müssen genug Vorräte haben, um die kalte Jahreszeit zu überstehen, im Frühjahr die nächste Generation aufzuziehen und das Volk zu vergrößern.“

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Fotos: Maike Helbig

So – und jetzt sollten wir uns die Bienen doch mal genauer ansehen, meint Christian. Ich bin mir da nicht ganz so sicher. Doch der Fachmann beruhigt: „Bienen sind nicht aggressiv. Ihr dürft nur nicht nach ihnen schlagen, nicht pusten oder den Kopf schütteln.“ Der Bio-Imker geht voran. Ohne Schutz. Und Ohne Handschuhe. Hebt einfach den Deckel vom Häuschen und nimmt eines der Rähmchen voller Bienen heraus.

„Erst ab 20.000 Bienen können Völker wirklich Nektar sammeln. Vorher wird jede Biene im Stock zur Pflege des Nachwuchses benötigt. Gesammelt wird oft nur soviel, wie sie selber brauchen.“ Christian hält mir die Bienen entgegen. Und ich traue mich jetzt ran. Ein tolles Gefühl. Dieses leise Summen. Der warme, süßliche Duft nach Wachs und Honig. Ich kann die Bienen sogar berühren und vorsichtig streicheln. Sie sind ganz weich und lassen sich nicht stören.

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Foto: Maike Helbig

Imker zu sein erfordere viel Geduld, sagt Christian Eggers. Er setzt das Rähmchen langsam zurück und schließt die Kiste. „Es sind nur etwa zwei Wochen im Jahr, wo so viel Honig entsteht, dass ein Überschuss für uns da ist. Das sind Tage, an denen alles passt: das Wetter, die Blüten. Aber es gibt auch Jahre, in denen Imker ihre Bienenvölker füttern müssen. Weil wir heute so eine veränderte Landschaft haben. Und kein Feld mehr blüht.“

Sein erstes Bienenvolk hatte Christian schon als Jugendlicher. Er war fasziniert von den schwärmenden Insekten. „Als meine Großeltern noch gelebt haben, war jeder Garten voller Blumen. Und damit voller Bienen. Heute sind vor allem Schotter und Formgehölz im Vorgarten. Und alles wird im 7-Tage-Rhythmus gemäht. Das ist ein Spiegel des Menschen. Wie er sich binnen einer Generation von der Natur entfernt hat.“

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Fotos: Maike Helbig

Durch den summenden Garten gehen wir zurück zum Haus. Stimmt, denke ich. Wann habe ich zum letzten Mal so eine bunte, ursprüngliche Wiese gesehen? „Und wir haben einen Schädling eingeschleppt“, fährt der Bio-Imker fort. „Die sogenannte Varroamilbe.“ Sie befällt die Bienen, saugt an ihnen und macht sie anfällig für viele Viren.

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Fotos: Maike Helbig

Christian Eggers war früher Geschäftsmann. Seine Frau coachte Führungskräfte. Heute sind die beiden Bio-Imker aus Leidenschaft. „Wir haben ein 240 Hektar großes Naturschutzgebiet um uns herum. Deswegen können wir hier Bio-Imkerei machen – sonst wäre das gar nicht möglich“, erzählt Nevena. Gemeinsam gehen wir ins Haus. Zwischen Flur und Küche stehen ein großes, hölzernes Regal und ein massiver Tisch mit allen Produkten, die die Familie herstellt: Wunderschöne Gläser mit den eigenen Honig-Sorten, kleine Fläschchen mit Propolis, dem natürlichen Desinfektions-Serum der Bienen, und hübsch verpackte Wachs-Barren, mit denen man zum Beispiel Kosmetik herstellen kann.

„Wachs ist ein ganz großes Thema in der Bio-Imkerei“, erklärt Christian Eggers. „Was wir hier machen, ist irrsinnig aufwändig, damit wir ein ganz reines Naturwaben-Wachs erhalten. Das ist uns sehr wichtig, weil der Honig darin gelagert wird und ja auch die Biene darin heranwächst.“ Seine Frau ergänzt: „Und wir wollen, dass unsere Bienen auf eigenem Honig überwintern, nicht auf Zuckerwasser. In dem sind nämlich weder Enzyme noch Vitamine, die die Bienen brauchen. Das, was wir zufüttern, soll so nah wie möglich am Nektar sein. Wir mischen außerdem noch 7 Tees dazu. Eichenrinde, Kamille und andere. Die Tees haben eine zusätzlich heilende Wirkung. Das ist für die Gesundheit der Bienen von Vorteil.“

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Fotos: Maike Helbig

Wir sind im Ernteraum. Hier wird der Honig gewonnen. Warme Messer, Schleudern, und Pressen helfen dabei. Christian und Nevena zeigen uns, wie es geht. Aus tausenden Mini-Löchern in der Metallpresse läuft ganz langsam der goldgelbe Honig. Naturbelassen. Unbehandelt. Mit kleinen Wachsstückchen darin. Presshonig gilt als besonders gesund. Er hat einen deutlich höheren Anteil an Mineralien und Pollen. Gut für Allergiker, da der hohe Pollengehalt die Desensibilisierung unterstützen kann. Und dann ist da noch etwas Propolis drin. „Das stärkste, natürliche Breitband-Antibiotikum, das es gibt“, erklärt Nevena. „Es wirkt gegen Viren, Bakterien und Pilze. Das hilft den Bienen. Das hilft aber auch den Menschen – wenn man es verträgt.“

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Fotos: Maike Helbig

Und jetzt geht’s in die Küche! Mit unserem frisch geernteten Honig. Wir backen einen köstlichen Zucchini-Kuchen mit Zitronenglasur. Nach Nevenas Rezept. Und das hat sie mir für den Blog verraten. Während wir auf den Kuchen warten, bietet Christian uns noch ein Glas Eierlikör an. Natürlich auch selbst gemacht. Mit dem eigenen Honig. Einmal probiert und es ist klar: Ohne dieses Rezept können wir nicht zurückfahren…

Das Likörchen gibt’s sofort – den Kuchen serviere ich euch in der nächsten Woche!

Honig-Eierlikör

Zutaten

  • 400 g Akazienhonig oder anderen cremigen Honig
  • 10 Eigelbe
  • 1 Vanilleschote
  • 2 Becher Schlagsahne
  • 300 ml Weinbrand oder Wodka

Anleitungen

  1. Eigelbe und Honig in eine Metallschüssel geben

  2. Im Wasserbad erhitzen und so lange mit dem Schneebesen rühren, bis die Masse schön cremig ist

  3. Vanilleschote längs aufschneiden und das Mark herauskratzen

  4. Mit der Sahne zur Ei-Honig-Masse geben

  5. 5 Minuten kräftig rühren

  6. Dabei möglichst nicht über 65 Grad erhitzen, da die Mischung sonst gerinnen kann

  7. Alkohol nach und nach unterrühren

  8. Die warme Flüssigkeit in eine Flasche abfüllen

  9. Den Eierlikör zwei Tage im Kühlschrank ziehen lassen

Rezept-Anmerkungen

Der Honig-Eierlikör ist im Kühlschrank etwa 3-4 Wochen haltbar.

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Foto: Maike Helbig

Was für ein toller Tag beim Bio-Imker und seinen Bienen. Wir verabschieden uns von Christian und Nevena Eggers. Und schwärmen auf der Rückfahrt von diesen kleinen, fleißigen, schwarz-gelben Wesen, die so viel für uns Menschen tun…

Ganz herzlichen Dank an Christian und Nevena Eggers – für die viele Zeit, die interessanten Informationen, das berührende Erlebnis, den Bienen so nahe kommen zu dürfen und für die tollen Rezepte! ღ

Wer mehr über die Bio-Imkerei erfahren möchte, findet alle Informationen auf der Website oder bei Facebook.

Bericht: Bettina Bergwelt

Fotografie: Maike Helbig

2 Comments

  • Sylke sagt:

    Was für ein interessanter Beitrag, aus dem man soviel ziehen kann. Und über den Eierlikör freut sich mein Mann riesig.🐝
    LG Sylke

    • Das war wirklich ein total interessanter Tag bei dem Imker und seinen Bienen! Und der Eierlikör war super lecker. Den letzten Rest habe ich gerade über ein Mascarpone-Eis gegeben… Mein Mann war ebenfalls ziemlich erfreut!!:-) Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!

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